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Rotkreuz Pretzschendorf

Unser Ortsverein

Leider können wir keine Gründungsurkunde oder einen Presseartikel aus einer örtlichen Zeitung vorweisen, welche uns den Beginn unserer DRK-Arbeit im Jahr 1953 bestätigt. Dafür haben wir aber Aussagen und Ausweiskopien unserer ältesten Mitglieder, die uns die Mitgliedschaft im DRK bestätigen.

Die Gründung des Deutschen Roten Kreuzes erfolgte bereits im Jahre 1864 und damit die Verbreitung der Ideale des Henry Dunant, dem Begründer der Rot-Kreuz-Bewegung.

In Pretzschendorf und Umgebung gab es keine nachweisliche Organisationsform des Roten Kreuzes, bekannt ist jedoch, dass Willi Grimmer, Vorfahre unseres Kameraden und Ortswehrleiters Mike Mayer, als Sanitätshelfer im 2. Weltkrieg tätig war. Willi Grimmer war auch an der Gründung des DRK in Pretzschendorf beteiligt und wirkte viele Jahre als Materialwart im Vorstand mit.

Mit Kriegsende wurde das DRK im Nürnberger Prozess wegen Mitwirkung an der Völkervernichtung verboten. Nach Gründung der DDR 1949 wurden interessierte und teilweise ausgebildete Sanitätshelfer und Krankenschwestern im FDGB – Gesundheitsdienst organisiert, wo auch die ersten Kameraden unseres Ortes mitwirkten. Aus dieser Organisationsform wurde 1952 das DRK der DDR gegründet und es bildeten sich zahlreiche örtliche Organisationsformen, sogenannte Grundorganisationen. Die Grundorganisationen Pretzschendorf, Röthenbach und Friedersdorf wurden dann in den 70er Jahren zur Grundorganisation Pretzschendorf verschmolzen. Bis heute ist aber aus beiden Orten je 1 Vertreter in den Vorstand zu wählen.

Mit der Bildung der Grundorganisation Pretzschendorf wurde als 1. Vorsitzender Herr Alfred Mende gewählt. Kamerad Mende starb 1957 infolge eines tragischen Motorradunfalles. Danach wirkten zeitlich begrenzt Rosa Grünscheid, Heinz Braune und Manfred Schmidt als Vorsitzende. Durch den häufigen Wechsel der Vorsitzenden sind aus dieser Zeit keinerlei Unterlagen über unsere Arbeit verfügbar.

Mit der Wahl von Alfred Schmieder 1968 zum neuen Vorsitzenden konnten wieder große Fortschritte in der Verbandstätigkeit erzielt werden. Seit dieser Zeit gibt es gewissenhafte Aufzeichnungen und auch verschiedene Urkunden von Wettbewerben.

1984 erkrankte Kamerad Schmieder schwer und übertrug Gerd Geißler kommissarisch die Tätigkeit des Vorsitzenden. 1986 wurde Gerd Geißler erstmals auch gewählt.

Eine Vielzahl von Aktivitäten kennzeichnen die Entwicklung unserer Organisation seit 1953: Grundlage aller Tätigkeiten war stets eine solide Grund-, Aus- und Weiterbildung, welche in den 60er und 70er Jahren hauptsächlich von Dr. Heinz und Elfriede Götze durchgeführt wurden. Später wirkten auch Rosi Weichelt, Gabi Menzer und Günter Völkel bei der Ausbildung mit. Zurzeit ist Mario Hofmann in dieser Funktion tätig. Ausgebildet werden unsere eigenen Mitglieder, die Kinder des Jugendrotkreuzes, aber auch die Bevölkerung, wie Fahranfänger, Berufskraftfahrer, Betriebssanitäter und Feuerwehrleute.

Großes Augenmerk legen wir stets auf die Nachwuchsarbeit. Seit 1961 wird die AG „Junge Sanitäter“, nach der Wende „Jugendrotkreuz“ genannt, hauptsächlich von oben genanntem Ausbilder betreut und organisiert. Bei verschiedenen Wettkämpfen konnten die derzeit 15 Mitglieder oftmals vordere Platzierungen erzielen.

Zivilverteidigung war in der DDR-Zeit der Begriff für den heutigen Katastrophenschutz. Die Ziele waren jedoch annähernd die Gleichen. Immer waren jugendliche und auch ältere Sanitätshelfer unseres Verbandes in diesen Gruppen integriert. Früher mussten die Helfer nach einer Alarmierung im Schneeballsystem am vereinbarten Ort bereit sein, um von einem Fahrzeug abgeholt zu werden und zum Einsatzort zu fahren. Seit 1991 sind wir in der glücklichen Lage, mit eigenem, vom Bund bereitgestelltem Einsatzfahrzeug sämtliche Aufgaben im Katastrophenschutz zu bewältigen.

Mit unseren Sanitätsgruppen nahmen wir an vielen Einsätzen, Übungen und Wettbewerben teil. Höchstes Wettkampfziel erreichten wir 1992, als wir als Vertreter des DRK-Landesverbandes Sachsen zum Bundeswettbewerb in Cloppenburg starten durften. Die Einsätze im Sanitätsdienst waren sehr vielseitig. Erste Einsätze waren Absicherungen zu Deutschland- und Jugendtreffen, zu großen Konzerten und zu Sportveranstaltungen vom Fußball bis zur Friedensfahrt. Zwei Kameraden begleiteten sogar einen Hilfstransport ins Tschernobyl-Gebiet. Bisheriger Höhepunkt war jedoch der Katastropheneinsatz zur Flut 2002, wobei unsere Kameraden teils mehrere Wochen im Dauereinsatz waren.

Ausgelöst durch einen schweren Arbeitsunfall auf einer Pretzschendorfer Baustelle wurde 1963 erstmals von den Mitarbeitern der Arztpraxis Dr. Götze ein Blutspende-Termin organisiert. Seit dieser Zeit wurden insgesamt ca. 14.000 Liter Blut in Pretzschendorf gespendet. Bis 1983 wurden Blutspenden teilweise bezahlt, danach gab es ausschließlich unentgeltliche Blutspenden. 1999 mussten wir aus Platzgründen den Abnahmeort, nach langer Tradition, in die Schule verlegen. 500 Abnahmen und mehr pro Jahr sind jetzt an der Tagesordnung. Unter Leitung von Rosi Weichelt sind bei jedem Spendetermin etwa 8 Helferinnen im Einsatz, um eine reibungslose Dokumentation zu gewährleisten und einen schmackhaften Imbiss zu bereiten. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass mit Heiko Horn ein sehr agiler Werbereferent des Blutspendeinstitutes ausgerechnet aus unserem Ortsverein kommt.

Nach der Wende kam mit der Kleidersammlung ein für uns völlig neues Aufgabengebiet auf den Ortsverein zu. Wir organisierten unter Schirmherrschaft des Kreisverbandes die ersten Großkleidersammlungen. Mit LKW und Traktor fuhren wir etwa 12-15 Tonnen Kleidersäcke nach Dippoldiswalde. Sagenhafte 7 Eisenbahnwaggons wurden zum ersten Termin vollgestopft. Heute haben wir zu tun, im gleichen Gebiet unseren Ford Transit voll zu laden. Dafür gibt es aber viele Kleidercontainer unserer Organisation und private Unternehmer, die ebenfalls jede Gelegenheit nutzen, Altkleider zu sammeln. Jedoch ist unser DRK die einzige Organisation im Gebiet des Altkreises Dippoldiswalde, wo auch Kleidungsstücke in vollem Umfang an Bedürftige weitergegeben werden.

Viele gemeinsame Aktionen verbinden uns mit den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr. In zahlreichen Übungen praktizieren wir das organisierte Zusammenwirken. Bei Aus- und Weiterbildungen wird im gegenseitigen Austausch Fachwissen vermittelt. Außerdem sind der Ortswehrleiter Mike Mayer und weitere Feuerwehrmänner auch aktiv in unserem Ortsverein tätig.

Mit Beendigung der Arbeit der Volkssolidarität in Pretzschendorf übernahmen wir 1990 die Organisation und Durchführung der Rentnerweihnachtsfeiern. Teilnehmerzahlen um 150 Senioren zeigten großes Interesse an unseren Veranstaltungen. Auch Ausfahrten für behinderte Bürger führten wir in unserer Regie durch. Die Finanzierung übernahm in beiden Fällen zum erheblichen Teil die Gemeindeverwaltung.

In den 80er Jahren war es üblich, dass Gliederungen des DRK der DDR um Namen von herausragenden Persönlichkeiten der Geschichte „kämpften“. Der Name „Otto Buchwitz“ war beispielsweise ein sehr häufig umkämpfter Ehrentitel. Otto Buchwitz war der Ehrenvorsitzende des DRK der DDR. Durch einen Vortrag von Rudolf Schweitzer aus Ulberndorf wurden wir animiert, uns mit dem Leben und Wirken von Albert Schweitzer vertraut zu machen. Es folgten viele Korrespondenzen mit dem Albert-Schweizer-Komitee in Dresden, bis uns dann der Ehrenname „Albert Schweitzer“ im Herbst 1988 in einer feierlichen Veranstaltung im Kulturhaus verliehen wurde.

Mit der Wende wurden viele Änderungen wirksam. Die DDR wurde ein Teil der Bundesrepublik und die Rot-Kreuz-Gliederungen mussten sich dem Gesamt-Deutschen-Roten-Kreuz anpassen. So wurde auch aus der Grundorganisation Pretzschendorf der Ortsverein Pretzschendorf, jetzt als nicht rechtsfähiges Mitglied des DRK-Kreisverbandes Dippoldiswalde e. V. Zusatznamen spielen seit dieser Zeit keine Rolle mehr, wir sollten aber trotzdem dem Gedanken „Albert Schweitzer“ verbunden bleiben. Seine Philosophie von der Ehrfurcht vor dem Leben hat viele Parallelen zu den Grundätzen des Roten Kreuzes.

Heute sind 43 Mitglieder in unserem Ortsverein aktiv tätig, 239 Fördermitglieder aus Pretzschendorf, Röthenbach und Friedersdorf unterstützen durch ihren Beitrag den Kreisverband und damit auch unsere Arbeit, aber wir müssen uns auch bewusst sein, dass wir mit weltweit 125 Mio. Mitgliedern überhaupt eine der weltgrößten Organisation sind und der Bekanntheitsgrad des Roten Kreuzes auf weißem Grund nur von der Marke Coca Cola und den Olympischen Ringen übertroffen wird. Dies macht uns einerseits stolz, ist uns aber auch Verpflichtung bei der Durchführung unserer Arbeit.

Der Vorstand

Vorsitzender: Gerd Geißler
Stellvertreter: Heiko Horn
Stellvertreter: Bernd Menzer
Schatzmeister: Carola Engelbrecht
Kassenprüfer: Wenke Richter
Blutspende: Eveline Ryschawy
Jugendarbeit: Mandy Horn
Mitglied: Gabi Menzer
Mitglied: Linda Herrmann